Der Tag der Bauindustrie 2026 stand ganz im Zeichen der Frage, wie Deutschland wieder schneller, einfacher und bezahlbarer bauen kann. Ein Jahr nach Start der Bundesregierung und unter dem Eindruck des milliardenschweren Infrastruktur-Sondervermögens war die Erwartungshaltung der Branche hoch. Gleichzeitig war aber auch die Skepsis spürbar, denn die Kritik am „Verschiebebahnhof Sondervermögen“ bleibt bestehen – vor Ort und in Person von Prof. Dr. Moritz Schularick, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft.

Politisch eröffnet wurde die Veranstaltung durch Bundesbauministerin Verena Hubertz. Im weiteren Verlauf setzte insbesondere die Keynote von Vizekanzler und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil Akzente. Beide Reden standen erkennbar unter dem Eindruck der jüngsten Steuerschätzungen und damit der Frage, wie groß die finanziellen Spielräume des Bundes tatsächlich noch sind. Mit ebenso großer Skepsis wurde die erneut viorgetragene Idee eines Bundesimmobilienentwicklers beziehungsweise einer Bundeswohnungsbaugesellschaft betrachtret. Nach Vorstellung von der beiden SPD-Minister soll eine solche Institution den Wohnungsbau „flankieren“ und zusätzliche Impulse setzen. Jede Wohnung kann aber nur einmal gebaut werden. Entsprechend wurde die Argumentation des Finanzministers, ein staatlicher Akteur würde lediglich unterstützend wirken, durchaus kritisch gesehen. Gerade angesichts begrenzter Baukapazitäten, hoher Kosten und fehlender Fachkräfte und eines immer größer werdenden Haushaltslochs erscheint die Vorstellung einer parallel agierenden staatlichen Wohnungsbaugesellschaft zumindest erklärungsbedürftig.

Tim Lorenz, Vizepräsident Verkehr stellte entspreched die Frage, warum der Bund offenbar glaube, er sei der bessere Unternehmer, insbesondere wenn doch die eigentlichen Probleme der letzten Jahre in immer höheren Standards, komplizierten Verfahren und regulatorischer Überfrachtung lägen. Diese Probleme würden schließlich auch für eine mögliche Bundeswohnungsbaugesellschaft gelten.

Insgesamt zeigte der Tag der Bauindustrie 2026 damit vor allem eines: Die Branche begrüßt zwar den politischen Willen zu mehr Wohnungsbau und Infrastrukturinvestitionen. Gleichzeitig wächst aber die Erwartung, dass die Bundesregierung weniger neue Strukturen ankündigt – und stattdessen bestehende Hemmnisse konsequent abbaut.