Innenräume werden im Bauprozess oft als nachgelagert betrachtet. Dabei entscheidet sich genau hier, wie ein Gebäude im täglichen Gebrauch wirklich funktioniert – für die Menschen, die darin arbeiten, lernen oder wohnen.

Mit dem Vortragsblock „Innenausbau – gesunde Innenräume sind gestaltbar“, moderiert durch unseren Vorstandsvorsitzenden Manuel Grün hat der BIEF beim 7. Deutschen Holzbaukongress in Berlin genau diesen Fokus gesetzt.

Vier Referentinnen und Referenten aus Wissenschaft und Praxis haben gezeigt, wie viel im Innenraum tatsächlich entschieden wird:

Behaglichkeit – messbar und planbar. Prof. Ulrich Schwarz Wünschmann Sven

Prof. Dr. Ulrich Schwarz und Prof. Dr.-Ing. Sven Wünschmann von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde haben aufgezeigt, wie sich thermische und akustische Behaglichkeit bauphysikalisch erfassen, messen und simulieren lässt – und damit zu einem steuerbaren Planungsparameter wird.

Innenraumklima und Gesundheit – ein unterschätzter Zusammenhang. Ulrich Zissler

Prof. Dr. Ulrich Zißler vom Technologie-Transfer-Zentrum Baubiologie und Wohngesundheit der TH Rosenheim hat eingeordnet, welche Rolle Innenraumluft, Materialien und klimatische Bedingungen für die Gesundheit der Nutzerinnen und Nutzer spielen – und warum dieses Thema im Bauprozess früher ansetzen muss.

Gesunde Innenräume im Holz-Hybridbau – von Anfang an mitdenken. Friederike Münn

Dr. Friederike Münn von B&O Bau und Gebäudetechnik hat gezeigt, wie Anforderungen an gesunde Innenräume bereits in der Planungsphase systematisch verankert werden können – auch und gerade im seriellen und hybriden Bauen. Dabei kam ein kritischer Punkt zur Sprache: Aktuelle VOC-Regelungen benachteiligen den Baustoff Holz strukturell – ohne dass diese Einstufung durch humantoxikologische Erkenntnisse gerechtfertigt wäre. Für einen Baustoff, der nachweislich zu einem gesunden Innenraumklima beiträgt, ist das ein Widerspruch, den die Branche nicht länger hinnehmen sollte.

Materialbewertung und Risikostoffvermeidung – Pflicht und Chance.

Holger König von der Ascona Gesellschaft für ökologische Projekte hat die Rolle von Zertifizierungssystemen wie QNG, DGNB und BNB für den Innenausbau eingeordnet und aufgezeigt, wo die Branche heute schon liefert – und wo noch Entwicklungsbedarf besteht.

Podiumsdiskussion und Publikumsfragen

In den Publikumsfragen zu den einzelnen Vorträgen sowie in der abschließenden Podiumsdiskussion zeigte sich das große praxisrelevante Interesse an den Themen: Gemeinsam wurden konkrete Beispiele diskutiert und mögliche Wege ausgelotet, wie die vorgestellten Ansätze – von der bauphysikalischen Planung über Materialwahl bis hin zu Zertifizierungsanforderungen – in der täglichen Praxis des Innenausbaus realisiert werden können.

Der BIEF dankt allen Referentinnen und Referenten für ihre Beiträge sowie dem Forum Holzbau für die Möglichkeit, diesen Block erneut gestalten zu dürfen.