Am 25. März 2026 fand im Kompetenzzentrum für Ausbau und Fassade die ICQ-Raumklimatagung statt. Veranstaltet wurde die Tagung von der Stiftung B.A.U. gemeinsam mit weiteren Partnern aus den Bereichen Baubiologie, Forschung und Baupraxis.
Im Mittelpunkt standen baurechtliche Anforderungen, gesundheitliche Auswirkungen und die Qualitätssicherung beim Innenraumklima. Ein besonderer Fokus lag auf Haftungsrisiken und der Frage, wie Mess- und Bewertungsfehler vermieden werden können.
Ein praxisrelevanter Beitrag kam von Dipl.-Ing. Waldemar Bothe (IQUH). Unter dem Titel „Bestanden oder durchgefallen?” zeigte er anhand konkreter Fälle, dass Raumluftprüfungen häufig nicht an den Materialien scheitern, sondern an Fehlern im Baustellenablauf und in der Messvorbereitung.
Seine zentrale Aussage: Das Ergebnis von Raumluftmessungen wird maßgeblich durch die Baustellenorganisation beeinflusst. Fehler in der Vorbereitung können zu erhöhten Messwerten führen, was direkte Folgen für Abnahme, Zertifizierung und Haftung hat.
Typische Praxisfehler bei Raumluftmessungen
Bauliche und organisatorische Mängel
- Prüfräume sind nicht fertiggestellt (z. B. fehlende Türen, offene Übergänge)
- Türen oder Öffnungen bleiben während der Messung geöffnet
- Unklare Zuständigkeiten und fehlende Abstimmung auf der Baustelle
Einflüsse aus angrenzenden Bereichen
- Malerarbeiten oder Beschichtungen in Nachbarräumen
- Verwendung von lösemittelhaltigen Produkten außerhalb des Prüfraums
- Offene Gebinde (Farben, Kleber, Reinigungsmittel) auf der Baustelle
Staub- und Sekundäremissionen
- Staubintensive Arbeiten (Schleifen, Bohren, Schneiden)
- Belastete Staubablagerungen in Fugen, Hohlräumen oder Installationsbereichen
- Unzureichende oder fehlende Endreinigung vor der Messung
Fehler beim Lüften und bei der Luftführung
- Unkontrollierte Fensterlüftung vor der Messung
- Eintrag von außen, z. B.:
- Abgase von Baumaschinen
- Rauch (z. B. Raucherbereiche)
- Baustellenprozesse wie Mischen von Zement
- Fehlende oder falsch eingestellte Lüftungsanlagen
Relevanz für die Praxis
Die Beispiele zeigen, dass Raumluftmessungen stark störanfällig sind. Bereits geringe externe Einflüsse oder organisatorische Mängel können zu deutlich erhöhten Messwerten führen.
Für Unternehmen im Innenausbau sowie im Element- und Fertigbau bedeutet das:
- Baustellenpersonal muss gezielt unterwiesen werden
- Messbedingungen müssen aktiv gesteuert werden
- Qualitätssicherung umfasst auch die Messvorbereitung, nicht nur Materialwahl und Planung
Fehler in diesen Bereichen können dazu führen, dass Projekte trotz fachgerechter Ausführung nicht bestehen, verzögert abgenommen werden oder rechtliche Konsequenzen entstehen.
