In der Hauptstadtregion bleibt Wohnraum der Engpass. Für 2025 rechnet Berlins Bausenator Christian Gaebler mit rund 14.000 fertiggestellten Neubauwohnungen, das Ziel lag bei 20.000. Gleichzeitig ist der Druck längst regional verteilt, weil sich Wohnraumsuche und Pendlerrealität nicht an Landesgrenzen halten. In Berlin ist die Zahl der Genehmigungen zuletzt wieder gestiegen, während Brandenburg im gleichen Zeitraum unter dem Vorjahr lag.
In diese Lage setzen die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) mir ihrer Initiative „Mehr Wohnraum ist machbar. Wie Berlin 100.000 neue Wohnungen schaffen kann“ ein Signal, das eine konkrete Umsetzungsagenda formuliert. In der Unterstützerliste der Initiative sind neben weiteren Akteuren auch der Regionalverband Holz Kunststoff Nord Ost.
Im Kern geht es um die Frage, warum Projekte trotz offenkundigem Bedarf nicht in die Vergabe kommen. Die Initiative beschreibt sehr konkret, dass Bauherren an Dauer, Unklarheit und wechselnden Anforderungen scheitern, und fordert deshalb verlässlichere Abläufe, kürzere Bearbeitungszeiten und eine einheitlichere Praxis in den Bezirken. Dazu gehören durchgängige Digitalisierung, klare Zuständigkeiten und eine konsequente Anwendung von Beschleunigungsinstrumenten, damit Vorhaben nicht in Abstimmungsschleifen festhängen bleiben.
Inhaltlich benennt die UVB mehrere Wohnraumquellen, die in Summe viel Volumen bringen können. Im bestehenden Stadtraum werden Aufstockungen und Lückenschlüsse als realistische Potenziale beschrieben, allerdings nur dann, wenn Genehmigungen planbar werden und nicht mehrere Jahre dauern. Ebenfalls deutlich hervorgehoben wird die Überbauung eingeschossiger Supermärkte, die in Berlin in vielen Lagen bereits infrastrukturell gut erschlossen sind. Ergänzend werden Umnutzungen, etwa von Büroflächen, als Option eingeordnet. Auch die Rückführung zweckentfremdeten Wohnraums und Ansätze wie Beschäftigten und Auszubildendenwohnen werden als Bausteine genannt, weil sie unmittelbar auf Verfügbarkeit und Fachkräftesicherung wirken. Für große Neubaugebiete und Quartiere richtet die Initiative den Blick auf das, was in der Praxis Zeit kostet: Konflikte rund um Umweltfragen, Verkehr, Lärm und die konkrete Einbindung ins Umfeld. Diese Punkte müssen verbindlich entschieden werden, mit klaren Fristen und weniger Nachforderungen im laufenden Prozess, damit Planung nicht immer wieder neu aufgerollt wird und Projekte nicht in Klagen und Verzögerungen stecken bleiben.
Ein zusätzlicher Hebel liegt in der öffentlichen Beschaffung, weil sie Bauvolumen, Standards und Tempo maßgeblich beeinflusst. In diesem Kontext wurde die Rolle der öffentlichen Hand als Auftraggeber auf der Beschaffungskonferenz 2025 von Dr. Denny Ohnesorge betont: Wenn Ausschreibungen praxistauglich und rechtssicher gestaltet sind, können öffentliche Projekte zugleich Klimaziele unterstützen und verlässlich in die Umsetzung kommen. Dazu passen die Handreichungen der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) die Auftraggebern Orientierung geben, wie Planungsleistungen und Losbildung im Holzbau sauber und rechtssicher aufgesetzt werden können. Die Holzbauquote von rund 24 Prozent zeige, dass Holzbau in der Breite angekommen ist und gerade über öffentliche Vergaben noch deutlich mehr Potenzial aktiviert werden kann.
Der politische Druck verstärkt sich in 2026 zusätzlich: Berlin hat den Vorsitz der Bauministerkonferenz übernommen und thematisch werden Wohnungspolitik sowie Bauvereinfachung sichtbar in den Mittelpunkt gerückt. Wenn daraus in den kommenden Monaten einheitlichere Standards, schnellere Verfahren und verlässlichere Rahmenbedingungen werden, sinkt die Unsicherheit bei Bauherren spürbar. Genau das wäre ein entscheidende Schritt, damit aus Wohnraumbedarf wieder Entscheidungen werden, aus Entscheidungen wieder Ausschreibungen und aus Ausschreibungen wieder gebaute Wohnungen in Berlin und Brandenburg.
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