Mit der Veröffentlichung des ersten CPR Arbeitsplans für die Jahre 2026–2029 konkretisiert die Europäische Kommission den weiteren Fahrplan zur Umsetzung der neuen Bauproduktenverordnung (CPR, VO (EU) 2024/3110). Das Arbeitsprogramm ist ein zentrales Element des sogenannten CPR-Acquis-Prozesses und legt fest, wann und in welcher Reihenfolge harmonisierte technische Spezifikationen, delegierte Rechtsakte und Produktanforderungen für die einzelnen Produktfamilien entwickelt werden .

Klarer politischer Rahmen: Wettbewerbsfähigkeit, Kreislaufwirtschaft, Digitalisierung

Der Arbeitsplan ordnet die CPR explizit in die großen industrie- und klimapolitischen Initiativen der EU ein (Clean Industrial Deal, Circular Economy Act, Bioökonomiestrategie und Wohnungsbauagenda). Ziel ist ein einheitlicher Binnenmarkt für Bauprodukte, der Innovation ermöglicht, Dekarbonisierung vorantreibt und regulatorische Fragmentierung abbaut. Gleichzeitig betont die Kommission, dass konkrete Anforderungen (z. B. Grenzwerte, Klassen, Produktpflichten) erst im Rahmen der Arbeiten in den Sub-Groups festgelegt werden.

Horizontaler Schwerpunkt „Dangerous Substances“: neue Methoden, neue Stoffe

Für die horizontale Untergruppe „Dangerous Substances“ kündigt die Kommission für 2026 eine Standardisierungsanfrage an, mit der bestehende Bewertungsinstrumente gezielt erweitert werden sollen. Im Fokus stehen:

  • zusätzliche Stoffe und Materialien, etwa Mikroplastik,
  • neue bzw. ergänzende Prüf- und Bewertungsmethoden für Inhaltsstoffe und Emissionen,
  • die Anpassung an neue EU-Rechtsakte sowie nationale Anforderungen.

Damit wird deutlich: Die Kommission will das Instrumentarium systematisch weiterentwickeln. Diesen Prozess werden wir kritisch begleiten.

Digital Product Passport (DPP): Rückgrat der künftigen CPR

Ein zentrales neues Instrument der CPR ist der Digitale Produktpass (DPP). Künftig soll jedes Bauprodukt, das unter harmonisierte technische Spezifikationen oder Europäische Bewertungsdokumente (EADs) fällt, einen DPP erhalten, sobald dieser per delegiertem Rechtsakt verpflichtend eingeführt wird.

Der DPP soll:

  • offene und nicht-proprietäre Standards nutzen,
  • Rückverfolgbarkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette ermöglichen,
  • Informationen zu Leistung, Inhaltsstoffen, Nutzung, Reparatur, Wiederverwendung, Recycling und Entsorgung bereitstellen,
  • die Umsetzung von EPBD, Digitalen Gebäudelogs und BIM unterstützen.

Damit wird der DPP zu einem zentralen Element der CPR mit erheblicher Bedeutung für Hersteller, Planer, Bauherren und öffentliche Auftraggeber.

Arbeitsplan 2026–2029: Langfristiger, aber verbindlicher Zeitrahmen

Der Working Plan enthält erstmals einen mehrjährigen, produktfamilienübergreifenden Zeitplan für alle in Anhang VII der CPR gelisteten Produktgruppen. Die Kommission hält dabei weitgehend an der seit 2020 bestehenden Priorisierung fest, passt diese jedoch punktuell an neue politische Schwerpunkte an (Wohnungsbau, Kreislaufwirtschaft, ESPR-Abstimmung).

Wesentliche Punkte:

  • Der Plan ist dynamisch: konkrete Inhalte entstehen erst in den jeweiligen Sub-Groups.
  • Die Kommission verpflichtet sich zu jährlicher Berichterstattung über den Umsetzungsstand.
  • Der nächste Working Plan ist spätestens Ende 2028 vorgesehen.
  • Horizontale Themen (Fire, Environmental Sustainability, Dangerous Substances, DPP) begleiten alle Produktfamilien.

Einordnung

Mit dem CPR-Arbeitsprogramm 2026–2029 will die Kommission Planbarkeit und Transparenz für die Neuausrichtung der Bauproduktenverordnung schaffen. Die entscheidenden Weichenstellungen etwa bei gefährlichen Stoffen, Emissionen, Datenanforderungen und Produktpflichten werden im laufenden CPR-Acquis-Prozess gestellt. Eine frühe und aktive Beteiligung der betroffenen Branchen bleibt daher zentral.

Das CPR-Arbeitsprogramm 2026–2029 ist hier zum Dowmload verfügbar: CPR Working Plan for 2026-2029_COM(2025)772_0